Zweifel am freien Markt-Warum dominieren sie? Diskussion

Drohende Wolken ziehen auf am Himmel der Weltwirtschaft. Warum zweifeln viele Menschen an der Marktwirtschaft. Auf Facebook hat sich folgende Diskussion abgespielt

 

 

 

Reinhard Matern am 3.9.12 via facebook

Hallo Markus,
mir fällt es schwer, angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre, noch an die Märkte zu glauben, zumindest so, wie Du es noch machst.
Die Märkte, so wie wir sie in der Volkswirtschaftslehre theoretisch kennengelernt haben, funktionieren nicht nach den wenigen Parametern, die mit Angebot und Nachfrage zur Verfügung stehen.
Hoffnungen setze ich in eine Verhaltensökonomie, die weitaus komplexere Modelle offerieren müsste ....
Viele Grüße
Reinhard

 

 

Markus Ehrler 

Danke für Deine Meinung. Wenn Du in Dich gehst - wer kennt sich selber schon in Perfektion?- stellst Du wahrscheinlich fest, dass Du nicht die haargenau gleichen Bedürfnisse hast, wie ein Anderer in der unendlichen Vielfalt, was das Leben bietet und fordert. Ergo unterscheidest Du Dich in unendlicher Vielfalt von anderen. So könntest Du Dich, sei es als Anbieter oder Nachfrager auf den freien Markt (wenn es ihn gäbe) begeben im weitesten Sinn der menschlichen Bedürfnisse des Lebens mit allem was wir tun und Deine Personlichkeit zum Ausdruck bringen. Der Andere auch usw. millionenfach usw. bis dort wo die Anderen - frei wie Du in Vielfalt - Dir die Grenzen setzen aufgrund Ueberschüssen und Mankos des irdischen Daseins bei abermillionenfacher Ausmarchung auf beiden Seiten von Angebot und Nachfrage. Das unbegrenzte Erfahrungspotenziel der Menschheit nutzend.

Darf ich Dich fragen, wo Du hier die wenigen Parameter ausgemacht hast?

Warum findest Du, wenn die hier erwähnte unendliche Vielfalt von irgendwelchen anderen Menschen -kraft ihres Amtes oder sonst irgendwelcher Macht - für Dich eingeschränkt wird - mit politischem Interventionismus und nicht marktentstandenen Grenzen von Ueberschüssen und Mankos - Du also bei willkürlichem Zwang mehr Parameter hättest, Dich im Wettbewerbe der Vielfalt zu messen?

Markus Ehrler

 

 

Reinhard Matern

es wird auf Märkten immer Bestrebungen geben, eine relativ freie Konkurrenz auszuhebeln, sobald sie vorfindbar ist, auch und gerade von Markteilnehmern. Dann beginnt die Frage nach den Einflüssen, also den Parametern, die die Konkurrenz einschränken ... bereits unterschiedliche Wachstumsprozesse von Unternehmen gehören dazu ...
Bei einer freien Konkurrenz, die vorzugsweise auf Märkten von Kleinanbietern (Klein- und Mittelstand) anzutreffen ist, bevor die Großen zuschlagen oder sich Konzentrationen ereigenen, da treffen die Bedingungen zu, von denen Du sprichst: unendliche Parameter - die aber letztlich nicht entscheidend sind ... nicht die Märkte als solche verändern.
Sobald sich jedoch die freie Konkurrenz verändert, Oligopole Einzug halten, ändert sich sehr viel ... in Richtung Markt, Politik usw.
Ich sehe keinen Weg zurück zu idyllischen Verhältnissen, für mich gehört der Interventionismus längst zum wirtschaftlichen Standard. Er kann sehr unterschiedlich aussehen, Aufkäufe von Staatsanleihen oder Auftragvergaben beinhalten, Gesetzesentwicklungen beinhalten, deren Resultate einigen Wirtschaftsteilnehmern Vorteile verschaffen usw. Wirtschaft und Politik sind bei uns nicht nur eng, sondern aufs engste vernetzt.
Dies ist einer der Gründe, weshalb eine moderne Verhaltensökonomie auch die Politik berücksichtigen müsste ...
Reinhard

  

 

 

Markus Ehrler

Dein Zitat Reinhard:
"es wird auf Märkten immer Bestrebungen geben, eine relativ freie Konkurrenz auszuhebeln, sobald sie vorfindbar ist, auch und gerade von Markteilnehmern."
Meine Antwort
Genau darin liegt das Erfolgsgeheimnis des freien Marktes. Schlechtes wird wettbewerbsUNfähig in Kürze, Animation zur Produktivitätssteigerung, Innovation, Kostensenkung sind die Folge = Gutes wird gefördert + Schlechtes im Keime erstickt. Missbraucher verlieren Wettbewerbsfähigkeit. Jahrzehnte Fehlentwicklungen sind nicht möglich. Konkurrenzkampf ist etwas sehr Positives.
Und wem dient das letztlich? Nicht nur den direkt am Markt beteiligten, sondern uns allen, der ganzen Volkswirtschaft + Vergrösserung der Lebensqualität und geistiger Prosperität der ganzen Gemeinschaft.
Die sich jetzt abzeichnende Wirtschaftskatastrophe wäre in diesem Umfeld nie entstanden.

Dein Zitat Reinhard:
"Oligopole Einzug halten"

Meine Antwort
aus Gründen der Nutzschwelle, kann eine gewisse Grösse ein Vorteil sein - auch volkswirtschaftlich, auf keinen Fall darf es aber zur alleinigen Marktmacht kommen, weshalb staatliche + private Monopole im Interesse der Freiheit und Vielfalt verboten werden müssen. Deshalb ist es absurd und gegenüber der Marktwirtschaft völlig untreu, solange mit Ländern wie China Handel zu betreiben, solange sie diese Prinzipien der Freiheit mit der politischen Willkür beim Yuan mit Füssen treten. Die Folgen mit den Handelsungleichgewichten werden noch verheerender sein als bei der EUR-Willkür mit der innereuropäisch politisch getätigten Eliminierung des Währungsmarktes.

Dieses künstliche Schönwetter ist von kurzer Dauer - jetzt 10 Jahre - und wird böse enden. Die Quellen, die diesen Wahnsinn noch finanzierten, sind überall am Austrocknen, die Märkte haben ihre Selbstheilungskraft verloren.


Dein Zitat Reinhard:
"Dies ist einer der Gründe, weshalb eine moderne Verhaltensökonomie auch die Politik berücksichtigen müsste ..."
Meine Antwort
Wie oben erwähnt ist die beste Verhaltensökonomie - der freie Markt - Schlechtes sofort ausgemerzt, Gutes gefördert - im Selbstregulierungsprozess mit positivem Erfahrungsschatz für alle Menschen.

 

 

 

Reinhard Matern

Dein Vertrauen in die Märkte fehlt mir ;-)wink weil es letztlich gar nicht um Märkte geht, sondern um Menschen, und die nutzen alles, was sie zu greifen bekommen, auch und gerade außerhalb der freien Konkurrenz. Die Märkte sind nur eine Abstraktion, die auf 'erwartbares' Verhalten beruhen, unter Bedingungen, die die Menschheit gar nicht bereit ist, einzulösen, bzw. zu gewährleisten ;-)wink Eine Wirtschaftsethik wäre in diesem Kontext interessant ... Und vielleicht sogar ein 'Führerschein' zur Beteiligung an den Märkten ;-)winkReinhard

 

 

Markus Ehrler

Reinhard, sehr schön gesagt "ES GEHT UM MENSCHEN" und was gibt es Schöneres und Ethischeres, als sich in Transparenz und Ehrlichkeit zu begegnen in den Grenzen des Marktes.
Um seine Bedürfnisse zu befriedigen, braucht es ein Mass, das ich nun mal Markt nenne. Nun ist er aus verschiedenen Gründen nicht statisch, sondern dynamisch. Wenn Du z.B. aufgrund Deiner biologischen Eigenschaft einen Apfel besonders liebst, Säurgehalt, Knackigkeit usw. Er stellt für Dich ein grosser Wert dar. Heute bezahltst Du 2 EUR, nächste Woche 3 x mehr wegen Unwetter und Verknappung.
und weil Du vielleicht nicht der Einzige bist mit den ganz besonderen Bedürfnissen nach diesem Apfel.
Ist er Dir das jetzt noch wert? Was geht in Dir vor bei dieser Beurteilung unter den gegebenen Voraussetzungen. Was geht vor beim Obstanbieter z.B. für künftigen Schutz der Apfel bei Unwettern usw. oder der Gefahr, dass er auf den Aepfeln sitzen bleibt bei diesem Preis und sie ihm verderben mit Totalverlust usw. usw. ?

Was kann besser sein, als Deine Beurteilung und die Deines Anbieters oder seines Konkurrenten, der die Risikovorsorge getroffen hat und die gleichen Aepfel vielleicht billiger abgibt. Anreiz zu Innovation.

Einfluss Dritter kann mit Sicherheit nie besser sein als Deine Beurteilung und die Deiner Marktpartner. Ihr beide versucht das Beste aus dem Gegebenen zu machen. Gibt es etwa Ethischeres als das? Ein "Führerschein" oder Preisbindung würde keine Qualitätsverbesserung bringen, im Gegenteil, die Aepfel würden Dich letztzlich mehr kosten und Deinen künftigen Apfelkonsum bzw. Wohl einschränken. Wenn Du das exponentiell extrapolierst auf das ganze Wirtschaftsgebaren frage ich Dich, wo da die Ethik für Dich und die Menschen generell bleibt? Ganz schlimm und unethisch wäre, wenn ein staatliches oder privates Monopol den Markt ausschaltete und den Apfelpreis festlegen würde.

Live-Anschauung haben wir im Moment mit der EUR-Krise, deren Ursache in den Markteingriffen liegt auf der höchsten Makroökonomischen Ebene, den Währungen, resp. deren komplette Marktausschaltung innerhalb der Euro-Zone. Hatten hier nicht alle Verantwortlichen einen "Führerschein"?
Die Folgen werden schlimm sein für die Menschen.
Die zentrale Frage lautet demnach wie folgt

was ist besser?
1. eine von Dritten erzwungene Verhaltensänderung, die letztlich zu lähmender und tendenziell schädlicher Persönlichkeitsentwicklung des Menschen führen kann - sowohl beim Befehlenden wie beim Befehlsempfänger?
oder
2. die Selbstüberprüfung jedes Menschen (auch verantwortliche Körperschaften) und seines täglichen Verhaltens am Markt mit entsprechenden sofortigen Checks and Balances über seine erfolgreichen und erfolglosen Erfahrungen im freien vielfältigen Markt - die positive wie negative Erfahrung als permanent bereichender  Erfahrungsschatz?
Markus

 

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